Schäfchen in HD

  • Post published:25. März 2026

Ich wohne ja in einem etwas verchutzten Häuschen schon fast am Dorfausgang Richtung Konolfingen in einer UG-Wohnung. Was auf den ersten Blick vielleicht nicht so prickelnd tönen mag, hat aber sehr wohl seine Vorzüge. Weil eben dieses Häuschen sich in einer Hanglage befindet, habe ich nämlich das grosse Glück, direkt von meinem Vorplätzchen aus über fast ganz Grosshöchstetten sowie weit hinein ins Emmental schauen zu können. Was mich aber gerade im Frühling besonders begeistert, ist nicht der grandiose Ausblick auf den wunderschön-anmutigen Berggrat der Sieben Hengste («Wieher»), sondern der schmale Ausschnitt auf ein Stück Wiese zwischen zwei Häusern, die unterhalb meines Standorts an der Niesenstrasse liegen. Warum? Ganz einfach, der Schafweidenbesitzer gibt, wenn es mal zwei oder drei Tage hintereinander genug sonnig und warm ist, seiner Herde und seinen frisch geborenen Lämmern zum ersten Mal Auslauf. Und das, das ist ein Fest sondergleichen, denn es wird nach Leibeskräften geblökt, gebimmelt, gehüpft, gefressen und rumgetollt. Springt das Leitschaf oder sonst irgendein vor lauter Lebensfreude übermütiges Wollknäuel los, springt ihm der Rest der Bande, lustig die Klauen in die Luft schlagend, hinterher. Von rechts nach links «RRRRRÄÄÄÄGGÄDÄrrräääggädärägg», von links nach rechts «RRRRRÄÄÄÄGGÄDÄrrräääggädärägg», von rechts nach links «RRRRRÄÄÄÄGGÄDÄrrräääggädärägg». Und so weiter und so fort. Es ist ein köstliches Schauspiel und ein geradezu bezauberndes Sinnbild dafür, wie unverkrampft sich in der Natur Jahr für Jahr Erneuerungsprozesse abspielen. Ich fühle mich dadurch um ein Vielfaches besser unterhalten und genährt als durch alles, was mir irgendein Streamingdienst anbieten könnte. Heisst: Solange es vor meiner Haustüre herumrasende Schäfchen in HD gibt, darf der nächste Frühling kommen.

Ich freue mich schon darauf.