Ig checkäs nid

  • Post published:22. Juni 2026

Ganz ehrlich, sitze ich im ÖV und höre Gespräche von Mitfahrenden mit, dann mache ich das nicht extra. Grund dafür ist nicht etwa, dass ich eine besonders neugierige Person wäre (na gut, vielleicht ein bisschen), sondern vielmehr, dass ich im Vergleich zu vielen meiner Mitmenschen von Kindsbeinen an einen sauschlecht funktionierenden Filter habe. Heisst, ich kann mir noch so fest Mühe geben, einen auf Hugo zu machen, es gelingt mir einfach nicht. Glauben Sie mir, das ist von der Verarbeitung der Informationsmenge her nicht immer easy und es tut mir auch wirklich aufrichtig leid, dass ich mich ungefragt in persönliche Dialoge reinhänge. Da es nun aber mal so ist, wie es eben ist, übe ich mich in Akzeptanz. Und manchmal, manchmal höre ich Dinge, die wirklich zum Schreien komisch sind. So wie jüngst dieses Gespräch zwischen zwei Generation-Z-Frauen im Bus nach Worb:

«Hesch mitüberchoh, Mike isch Letschti ga Skydive? Checkäs nid.»
«Nä-ä, würk? Krese!»
«Check i nid.»
«Wärum?»
«Ig checkä nid, wie me usemene Flugzüg cha usejumpe? Eifach so. Check i nid. Check i ächt nid.»
«Mmhmhh.»
«Oder cheksch du das? Das cha me doch gar nid checkä? Checkt das öpper?»
«Krese.»
«Ds genau Gliiche bim Bungee-Jumpe. Ig checkäs nid, was das söu? Was isch dr Point? Chas eifach nid checkä.»
«Ja, mues scho irgendwie krese sii haut.»
«Ja, heftig, sicher. Aber doch ou gfährlech! U weisch wie tüür? U das nume für dass de di irgendwo chasch abewärfe? Check i, check i, check i nid. Das söu mau öpper checkä, hey!»
«Ja, ächt, hesch rächt, scho no schwierig zum Checkä.»
«Du checksch es o nid, oder? Aso, ig, ig checkäs uf au Fäu überhoupt nid!»

Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich in einer so kurzen Sprechzeit den leicht umformulierten, tupfgenaugleichen Satz gehört. Selbstredend ging es der jungen Frau durch das angewendete Repetitionsmuster lediglich darum, ihrem ehrlichen Erstaunen möglichst viel Nachdruck zu verleihen.* Je länger das Gespräch aber dauerte, checkte ich als Kopffüssler auch, dass ich nicht so ganz checkte, warum die Gen-Z-Vertreterin das Bedürfnis nach freiem Fall nicht checken konnte? Denn dafür gibt es doch mit sich den eigenen Mut beweisen, die eigenen Grenzen ausloten, damit vor der Peergroup prahlen können, sich mal losgelöst von allem fühlen, den Traum vom (kurzen) Fliegen verwirklichen oder mit einer gewissen Ernsthaftigkeit die eigene Bucketlist abarbeiten, eine Menge Argumente.

Zum Schluss spielte all dies aber keine Rolle, da ich total hin und weg davon war, wie virtuos sich unsere Sprache, unser gmögiges Berndeutsch an einem hundskommunen Tag, im hundskommunen Postauto präsentieren kann. Was für ein Reichtum!

Checksch?

* Ganz anders sieht dies ja im Kosmos der sendungsbewussten Politikerinnen und Politikern auf kantonaler und nationaler Ebene aus. Diese denken doch tatsächlich chronisch, dass das gebetsmühlenartige Wiederholen der immer gleichen Argumente deren Aussagewert auf irgendeine mysteriöse Weise zu verbessern vermag – was für ein total jämmerlicher Trugschluss!