Der Bielersee, das ist meiner. Also, natürlich gehört er mir nicht persönlich (ich habe keinerlei diktatorische Ambitionen), aber sitze ich an dessen Ufer, dann fühle ich mich immer sofort wie zuhause. Dieses Verbundenheitsgefühl dürfte nicht unwesentlich damit zusammenhängen, dass der See in der flachen Ebene des Seelandes liegt und mich so an meine zweite Heimat, Holland, erinnert (ich weiss übrigens schon, dass das Land im deutschen Sprachgebrauch korrekterweise „die Niederlande“ genannt wird, aber meine Geschwister und ich haben uns immer als „halbe“ Holländer:innen und nicht als „halbe“ Niederländer:innen bezeichnet). Ebenfalls positiv ins Gewicht fällt zudem die Jurakette im Hintergrund, denn das war vor langer Zeit einmal mein absolut bevorzugtes Schweizer Veloausflugswunderland. Der Bielersee ist so super, weil er sich von seinen Eigenschaften her in einer geradezu idealen Schnittmenge befindet. Weder ist er also ein mehrbesserer, abgeschmackt-überhitzter Tümpel wie der Murtensee, noch hat er dieses übertrieben Mondäne, das zum Beispiel den Genfersee umwabert. Er ist eindeutig rustikaler als der harmlos-liebliche Neuenburgersee aber dennoch in seiner Gesamtheit eleganter und offener als der kompliziert verwinkelte, knorrige Vierwaldstättersee. Wenn jetzt irgendwelche Berner Oberländer Leserinnen und Leser an dieser Stelle meinen, ich sei ein fürchterlicher Trottel, da ich mir doch fast um die Hausecke die Tiefe, Klarheit und Frische eines von Bergen umrahmten Thuner- oder Brienzersees reinziehen könnte, dann entgegne ich denen, dass mir bei diesen beiden für ein richtig-richtig-richtiges Sommerferiengefühl die dazu nötige Portion French-Vibe fehlt. Voilà!
Und genau um ein solches Sommerferiengefühl soll es hier in der Folge auch gehen, denn im Juli 2026 wagte ich mich nach einer geradezu generalstabsmässigen Vorbereitung wieder einmal für zwei Nächte weg von zuhause. In den Tagen zuvor war ich im Energiesparmodus fast nur in den eigenen vier Wänden unterwegs gewesen und legte mir paso a paso die benötigten Utensilien für den Ausflug zurecht: den über 30-jährigen Lowe Alpine-Rucksack (ein Dinosaurierrelikt, das noch in Irland hergestellt worden war und bis vor knapp zehn Jahren als 100% wasserdicht galt), das lediglich 1,75 Kilogramm schwere Jack Wolfskin Gossammer Einpersonenzelt (ich nenne das maximal 60 Zentimeter hohe Teil liebevoll „mis Särgli“), die dünne Exped-Luftmatte, ein Sommerschlafsack, ein zusammenfaltbares Nackenkissen, ein Necessaire mit Zahnpasta, Zahnbürste, Deo, 10 Milliliter neutraler Flüssigseife, einem ¼-Putzschwamm, Sackmesser, Löffel, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln sowie ein Miniexpresskocher (RapidBoil) für Schnellfood und Tee. Dazu kamen lediglich noch eine frische Unterhose und ein Paar kurze Socken, die Badehose sowie ein unverwüstliches, ultraschnell trocknendes 40×80 Zentimeter grosses „Badetuch“. Das musste reichen. Sonstige Kleider trug ich an und auf mir. In dieser Hitze, so war ich mir sicher, würde das legere Langarmhemd, das ich mir um den Nacken gebunden hatte, für die unwesentlich frischeren Stunden am Abend längstens ausreichen. Ich freute mich diebisch darüber, dass meine über Jahre hinweg perfektionierten Packroutinen offenbar noch vorhanden waren. Schmal reisen, das hatte ich schon immer ziemlich gut gekonnt und es hatte mich – das war auch das Wichtigste am jetzigen Projekt – immer maximal frei und glücklich gemacht. Auf geht’s:
Da stehe ich nun also: auf der fast komplett verdorrten Wiese für (spontane) Zeltler:innen auf dem genossenschaftlich organisierten Campingplatz Gerolfingen. So richtig verstanden habe ich den Mikrokosmos hier kurz nach meiner Ankunft natürlich noch nicht aber es gibt Dinge, die ich bereits nach wenigen Minuten über alles zu schätzen weiss: Jede und jeder grüsst dich scheissfreundlich, fragt ob er/sie/es dir irgendwie weiterhelfen könne, ob man sich in der Region hier auskenne und bereits wisse, was man zu tun oder eben genau nicht zu tun gedenke oder ob man mit fangfrischen Eglis etwas anzufangen wisse? Dazu kommt eine Leichtigkeit, die sowohl mit der Art und Weise des Zusammenlebens hier, mit dem konstanten Draussensein, den alle überschüssigen Emotionen ausgleichenden Wellen des Bielersees oder dem ungeschriebenen natürlichen Gesetz zu tun haben könnte, dass man hier unter den fix installierten, zum Teil kunstvoll verzierten Campinganhänger-Lauben im Verlauf der zweiten Tageshälfte eher früher als später zum ersten kühlen Blonden greift. Es ist fantastisch.
Da ich von den Reisestrapazen und der heftig brutzelnden Sonne schon zünftig grilliert bin, setze ich mich beim etwas heruntergekommenen, nur partiell geöffneten Peizli auf einen roten Hartplastikstuhl und geniesse die leichte Brise, die vom 50 Meter entfernten Seeufer durch die Gassen des Campings weht. Kurz frage ich mich, ob sich hier nicht endlich ein Kreis schliessen könnte? Vor acht Jahren war ich ein letztes Mal mit dem Velo unterwegs gewesen, ebenfalls in dieser Region, und so adressiere ich meinen Wunsch an eine Spontanheilung munter Richtung Universum, denn das würde doch jetzt einfach nur zu gut in dieses Setting hier passen, wäre wichtig und vor allem ganz sicher auch richtig. Never give up.
Als ein paar Männer mit prallest-gespannten und braungebrannten Schmerbäuchen und den zufriedensten Gesichtern der Welt mit Badetüchern über ihren Schultern an mir vorbeipromenieren, heepet eine Frau Richtung einer sich zwei Reihen weiter vorne befindenden Behausung zu: „Yolanda, di Maa isch de bi üüs, gäu! Eifach nid, dass d‘nä suechsch.“ Und aus der Ferne lautet die Antwort: „Aha, jä so isch das? Eh, dä chunnt de aube scho wieder zrügg.“ Es tönt gespielt wie ein tiefes Bedauern, gefolgt von einem aus verschiedenen Ecken herkommenden herzlichen Gelächter. Nachdem ich am späteren Nachmittag erneut so etwas wie eine Platzansprache von einer Mutter höre, die die Camper:innen-Gemeinschaft ringsherum mit der Frage bebrüllt, ob jemand ihr Kind, den Päsci, gesehen habe, wird mir klar, dass an diesem Ort ganz sicher niemand verloren geht.
Nach einer Buteyko-Atemübungssession habe ich genügend Saft und stelle mein Mikrozelt neben einem Toyota Auris auf, der von seiner Besitzerin, einer alleinerziehenden Mutter namens Melinda, behelfsmässig zu einem Mikrocamper umgebaut worden war. Zu zweit schläft sie mit ihrem zweijährigen Sohn Liam auf einer 90er-Matratze, die tout juste auf der Fläche eines heruntergelegten Rückbanksessels und dem angrenzenden Kofferraum Platz hat. Ich finde das Konstrukt, gedacht für spontane Budgetferien, hammermässig, frage sie aber dennoch, ob die spärlichen Platzverhältnisse sie denn nicht einengen oder bei diesen Temperaturen unsinnig schwitzen lassen würden? Sie meint mit ihrer charmanten, durch Selbstgedrehte gezüchteten Raucherstimme: Nein, nein, ich solle sie nur angucken, sie gehöre eher zum Volk der Winzlinge (heiseres hihihi) und ihrem Sohn, der in der Nacht kaum rumrangge, klappe das vorzüglich. Ah ja, bevor sie es vergesse, sie habe in ihrer Mokkakanne erst gerade frischen Kaffee aufgebrüht, wenn ich mir also eine Tasse gönnen wolle, solle ich mich nur ruhig bedienen. Ich bedanke mich für das nette Angebot, lehne es aber wegen dem eigenen, bereits in exorbitante Höhen hochgepeitschten Koffeinspiegel (die Anreise, liebe Leute…) ab und verkrümle mich zwecks Hirn runterfahren mit einem seichten Schweizer Krimi auf ein nahes Parkbänkli. Neben mir sausen mit Windeln ausgerüstete Kleinkinder oben ohne auf ihren Like-a-bikes vorbei, deren Beinchen kaum den Boden berühren. Ein Jungvater mit Vollbart schiebt zum fünften Mal seit meiner Ankunft müde und langsam schlurfend sein wiederkehrend aufmuckendes Bébé übers Gelände, ein anderer macht sich um 11.00 Uhr in Unterhosen (wen kümmerts) und mit verkatert-zerknautschten Gesicht auf Richtung (kalte) Dusche. Jetzt trifft eine Jungmannschaft, bestehend aus vier Jugendlichen – ich vermute alle an der 16-Jahre-alt-Schwelle knabbernd –, mit einem grosszügigen, hellblauen Familienzelt ein, stellen dieses im Teamwork rasend schnell auf und machen sich dann, laut und ausdauernd über qualitativ hochwertige Köder und Angelruten fachsimpelnd, auf zum Fischen.
Nachdem ich mich zwischenverpflegt und mit einem leicht gesalzenen Liter Wasser (Blutdruck) hydriert habe, schlendere ich in Badehosen zum Badesteg. Ein Horde Senior:innen planscht und schnäderet, lässig über eine Poolnudel gebeugt, im Wasser. Ein Grosskind, ausgerüstet mit einer Schwimmweste und zusätzlich gesichert durch einen stabilen Rettungsring, ist ebenfalls mit von der Partie. Nicht sehr zufrieden, wie sich nun herausstellt, denn das Mädchen hat panische Angst und klammert sich schreiend an seine Oma. Diese ist wenig zimperlich, stösst das Mädchen unsanft zu einer aus dem Wasser ragenden Stange, wo es sich doch bitte dran festhalten und beruhigen solle und watscht es zusätzlich grummelnd mit einem: „Eh eh, was bisch de du für ne Gränni?“ ab. In der Bucht steht am Strändli ein rostiger Rollator und es wird mir eindrücklich vor Augen geführt: Hier gehören, ob man nun will oder nicht will, nicht nur alle ans, sondern eben auch alle ins Wasser.
Nach zwei Minuten im wunderbaren Nass beginne ich bereits gottsjämmerlich zu frieren und kehre abgetrocknet und bereits wieder in einer Jeansshort steckend in mein Zeltchen zurück. Ich lege mich hin und dümple in einen längeren seichten Halbschlaf hinein. Ich höre durch die Zeltplane hindurch, wie nun ein paar Erst- bis Viertklassjungs auf der unbebauten restlichen Rasenfläche auf ein aufklappbares Törchen spielen und wie die zwei Väter, die zur Aufsicht der Rasselbande mitgegangen sind, sich angeregt darüber unterhalten, wann der richtige Zeitpunkt für einen Eintritt in den lokalen Fussballverein sei. Dann wechselt der eine abrupt das Thema und redet über eine Handfeuerwaffe kroatischer Herkunft, über die er sich neulich schlau gemacht habe und die er sich anzuschaffen gedenke, damit ihn beim Einkaufen gefälligst kein Asylbewerber mehr dumm anmachen könne (scheint mir nichts als logisch, dass ich in der Migros oder im Coop eine Knarre aus dem Hosenbund ziehe, da ich dort aber auch wirklich jedes einzelne Mal von ausländischen Staatsbürgern behelligt werde – Ironie off).
Ich krabble aus meinem Zelt und höckle mich wieder auf das Sitzbänkchen in der Nähe. Mir fällt auf, wie alle Ansässigen hier regelrecht über das Gelände schweben. „Eh was? Göt dir scho hei?“, fragt eine ältere Dame, eingehüllt in ein knallbuntes Batiktuch, leicht besorgt ein angegrautes Päärchen, das in einem klapprigen Dacia Sandero im Schritttempo über das Ausgangssträsschen rollt. Der Dacia hält an, es werden einige Sätze ausgetauscht, dass es wirklich sehr schade sei, dass man das morgige grosse Fischessen verpassen würde aber dass natürlich der schon lange im Vornherein vereinbarte Arzttermin beim Kardiologen aktuell Vorrang habe.
In der Toilette, wo ich mir nach dem Nuck zur Verdrängung der immer noch vorhandenen Kafischnöre die Zähne putze, unterhalten sich am Pissoir stehend zwei pensionierte Migros-Mitarbeiter über einige ihrer ehemaligen Mitstreiter. Ob er den Hardi aus dem Rayon Haushaltsmittel letztens einmal gesehen habe, fragt der eine den anderen? Der habe nämlich u huere Lämpe mit seiner Hüfte, humple nur noch rum und verlasse kaum mehr das Haus, was eine veritable Schande sei, denn dieser sei doch von seiner Art her eigentlich ein durchs Band weg aufgestellter Typ. Da meint der andere: „Du meinsch dr Bonsai, oder?“. Fragt der erste belustigt: „Was, wie bitte seisch du däm?“ „Eeh, Bonsai, dä isch doch so choge chly gsii. Hat sech später aber so viel ig weiss bi nöie Mitarbeiterinne u Mitarbeiter ou gar nümme aus Hardi vorgsteut, sondern sech grad säuber aus Bonsai betitlet.“ Beim Händewaschen guckt mich der eine Mann, ein Hühne, der mit seinem gigantischen buschig-grauen Schnauz, seinen tellergrossen Händen und seinem kastenförmigen Oberkörper eher aussieht wie ein Walross im Spiegel ernst an, zeigt mit dem Zeigefinger auf meine Nase und meint: „Aber de suber putze, gäu?“ Für einmal agier ich schlagfertig, zwinkere ihm mit Schaum im Mund zu und nuschle ein: „Ja, Mami, sicher.“ Das Walross klöpferlet mir mit einer seiner riesigen Pranken erstaunlich leicht auf meine rechte Schulter und die beiden Männer verlassen grölend die Toilette.
Ich melde mich per Whatsapp bei zwei Lehrer-Kolleg:innen aus meiner Kappeler Oberstufenzeit, erfahre aber leider, dass die beiden selbst mit ihren Partner:innen und den Kindern in die Ferien verreist sind. Es ist zwar schade, dass aus der Idee eines spontanen Käfelens nichts wird, wenn ich schon einmal in der Region bin, gleichzeitig weiss ich es aber auch zu schätzen, dass die zweieinhalbtägige Auszeit in diesem Fall nur mir „gehört“. Weil ich schmerztechnisch jetzt dringend etwas Ablenkung brauche, ziehe ich mir den Fussball-Podcast „Dritte Halbzeit“ rein, checke aber erst nach Ablauf von mehr als der Hälfte der Sendedauer und somit viel zu spät, dass die geballte Vorinformation zur anstehenden neuen Super-League-Saison meine kognitiven Kapazitäten übersteigt und ich besser abdrehe, weil es so wenig Sinn und vor allem keinen Spass macht. Ich merke jetzt auch, dass ich mein Spaziersoll für diesen Tag ziemlich überstrapaziert habe und ich jetzt Vorsicht walten lassen muss – so gut Pacing Ananas und Pfirsich funktioniert, so sehr hasse ich es als Mensch, der eigentlich gerne zügig unterwegs…wäre. Liebevoll mache ich mir aber selbst Hoffnung, indem ich mir in einem gedanklichen Selbstgespräch versichere, dass ich es sicher irgendwann einmal doch noch besser lernen werde.
Es wird Abend und die vier Fischerjungens haben einen portablen Gasgrill aufgestellt, auf welchem sie (wo bleiben die gefangenen Fische?) nun die marinierten Pouletspiesse, die sie vom Denner im weiter oben gelegenen Dorf mitgenommen haben, braten. Da der zum Grillmeister auserkorene Jugendliche noch nicht so geübt darin ist, zu entscheiden, ob die ganze Chose schon genug ling ist, fragt er einen seiner Spezis, ob dieser zur Sicherheit nicht auch noch einen Blick auf das Fleisch werfen könne? Dieser antwortet, nachdem er zwei Rundhölzchen auf alle vier Seiten gedreht hat: „Auso, Märu, das gseht doch scho mau sehr stabiu us, diä chöi mr schnable“ und ruft die letzten zwei im Zelt verbliebenen Kollegen zum Znacht. Ein Krustenkranz wird herumgereicht, jeder reisst sich ein Brotstück ab, halbiert dieses von Hand und zieht mit den zwei entstandenen Hälften die Fleischwürfel vom Spiesschen. That’s it. Rudimentär-alimentäre Basics. Was willst du denn da noch blöd mit Gurkenscheiben oder Karottensticks rumhantieren? „Sowieso völlig überbewärtet“, meint der Junge trocken, der mit seinem Handy in der linken Hand gerade ein Fress-Selfie schiesst. Süsse Jugend! Da ich vom Zusehen selbst hungrig geworden bin, koche ich mir einen Uncle-Bens-Schnellreis (Risibisi – allererste Sahne: acht Erbschen und drei rote Paprikaschnitzchen, es ist ein Witz), den ich im Schneidersitz, allerdings mit etwas Grünfutterzusatz, an einen Baum gelehnt neben meinem Zeltchen esse. Die Jungs von nebenan reden jetzt angeregt und mit irrwitziger Wortwahl darüber, in welcher Form sie Kartoffeln als halbwegs tolerabeles Lebensmittel erachten würden (als himmeltraurig-langweilige Geschwellte schon mal sicher nicht, der Kartoffelstock ist ihnen dann zu matschig, der Gratin zu mollig, bei Fritten die ganz dünnen Lunettes sowie Country Fries safe, in Form einer 0815er-gefriergetrockneten Ausgabe aus dem Ofen hingegen, pfui, da hilft auch nicht die absurdeste Menge Salz dieser Welt, um diesen Scam zu retten, njet), was wiederum mich unfassbar glücklich macht, da das Ganze an eine grandiose Sprachcomedy grenzt. Im Anschluss rast einer der vier Fischerjungs mit einem Capri-Sonne-Beutel zwischen den Zähnen eingeklemmt, laut einen Töffmotor imitierend, über die Rasenfläche, ein anderer unmittelbar zuvor vom Rumrennenden vom Scheitel bis zur Socke mit einer Petflasche Wasser eingenässter laut fluchend („Alte würk?“) und Rache schwörend hinterher. Die Idee, mit Wasser zu spielen, scheint aber auch ein wenig weiter vorne auf dem Gelände gerade aktuell zu sein, wo eine Horde kleiner Kinder einen Erwachsenen (Vater, Onkel, Götti, Freund der Familie, sagen wir doch der Einfachheit halber: ein Mann vom Camping) mit Wasserballons eindeckt, welche aber zu ihrem Erschrecken und gleichzeitigem Entzücken mehrheitlich gefasst und scharf zurückgefeuert werden. Als ich dann noch das grossartig verzerrte Gesicht des zweijährigen Nachbarsgius sehe, nachdem er sich heimlich an den Bitterliebe-Tropfen seiner Mutter versucht hat, währenddem sie am Abwaschen ist und ich tatsächlich höre, dass eine Mutter ihre Tochter mit dem Disneyfigurnamen Vaiana zum Abendessen ruft, ziehe ich ein erstes Fazit von diesem Tag: Das reale Leben, es ist um so vieles besser als jeder Kinostreifen dieser Welt!
Die Nacht verläuft erstaunlich okay. Dass ich von 05.15 bis fast 08.00 Uhr sogar noch eine unübliche, dritte Tranche Schlaf geschenkt bekomme, hilft mir, den Tag trotz der wesentlich gesteigerten körperlichen Schmerzen (stellen Sie sich das am besten so vor: Sie kombinieren das Laktat aus dem härtesten Training, das Sie je in ihrem Leben gemacht haben, fügen diesem Zustand die Gliederschmerzen einer Grippe hinzu, um sich als Krönchen zum Abschluss noch von einem Ratrac überfahren zu lassen) in Angriff zu nehmen. Ich bepacke eine kleine Plastiktragtasche mit Ziegenkäsescheiben, glutenfreien Crackern, Tagebüchlein, Kuli und Krimi und spaziere, weil mir das am Vortag empfohlen worden ist, ganz langsam auf einem lauschiegen Kiesweg durch das Naturschutzgebiet der Mörigenbucht. Ich bleibe oft stehen und zücke das Handy, um das Seeufer mit dem Schilfgürtel, den Riedwiesen sowie dem Auenwald zu fötelen – Höchi und mein Alltag sind zu diesem Zeitpunkt bereits weit weit weg, was mich mit grosser Dankbarkeit erfüllt.
Nachdem ich auf einer Parkbank mein Frühstück verzehrt habe, trinke ich im Bistro am See einen Ueshima-Kaffee und mache mir Notizen zum bis dahin Erlebten. Bei der Bestellung, für einmal der benötigten Menge Koffein wegen bitte ein Kafi und kein Espresso, fragt mich das eine von zwei gelangweilt dreinschauenden Ferienjobgirls unsicher, ob ich „aso“ einen Milchkaffee wolle? Ich verneine höflich, sage: „Nä-ä, nei, ke Schale bitte. Ig blibe bimene ganz gwöhnleche Kafi. Schwarz, wes geit.“ Sie nickt, weil sie nun alles richtig verstanden hat und ich setze mich zufrieden seufzend an einen dieser abgeschmackt-unverwüstlichen Badipeiztische. Langsam treffen immer mehr Hündler:innen, Frühschwimmer:innen oder Püetzer ein und die Bude füllt sich mit Leben. Die überlaute Besitzerin kommandiert ein paar Coca-Cola-Gesandte herum, die zwei neue Kühlschränke für 0.5 Liter-Gebinde herankarren. Alle Anwesenden erfahren in zackig-unsympathischem Züridütsch, wie schwierig, mühsam und überhaupt die letzten zwei Tage ohne ordentliche Kältekammer für das Geschäft gewesen seien. Ganz oldschool wird aber nach erfolgreicher Installation der Kühlschränke den Anlieferern gratis ein Kafi und ein Gipfeli spendiert. Ich finde das Klasse, denn es zeigt, dass zu dieser Form von Dienstleistung eben nach wie vor ein selbstverständlich zu entrichtender Höflichkeitspreis dazugehört. Beim Reinigen der Oberflächen der neuen Kältekisten sowie beim Einräumen der Getränkeflaschen sinnieren die Ferienjobgirls ausdauernd über die Beschaffenheit der neuen Geräte im Vergleich zu den alten. Ich bin ganz schön erstaunt darüber, was das als Stoff für ein längeres Gespräch so alles herzugeben vermag.
Da die Bise erstaunlich stark ist und ich null Bock auf eine Erkältung habe, entscheide ich mich, nach etwas mehr als eineinhalb Stunden, wieder aufzubrechen. Als es an der Bar ums Einkassieren geht, rufen die Peizligirls nach der Pächterin, welche das Ratzfatz erledigt. Zwangsläufig stelle ich mir die Frage, ob sie ihren Adlatinnen den Umgang mit dem komplizierten Bedienmenu der Kasse oder mit Bargeld nicht zutraut? Da unmittelbar nach mir gerade eine Bedien- und Organisierflaute herrscht, komme ich mit der Tätschmeisterin ins Gespräch und verurteile mich im Nachgang schärfstens dafür, dass ich sie nur wegen meinem Ersteindruck als unempathisch-gäie Grosstuerin eingeschätzt hatte. Sie erzählt mir, wie schwierig es nach Corona in der Gastronomie geworden sei. Nicht nur seien die Besucher:innen von ihren Umgangsformen her ruppiger, deren Sonderwünsche exquisiter und Lebensmittelintoleranzprobleme grösser geworden, sondern es finde sich auch kaum noch geschultes Küchenpersonal, das sich nur für den eingeschränkten Zeitraum vom Frühling bis zum Herbst engagieren lasse und dann 14 Stunden pro Tag den Buckel rundkrüppeln wolle. Zudem verdiene man kaum mehr einen anständigen Batzen und so sehe sie sich gezwungen, sich nach dieser Saison nach einem neuen Geschäftsfeld umzusehen. Sie macht ein paar Schritte rüber auf die Veranda, zieht eine wie ein Schraubziehergriff aussehende Vape aus ihrer Rocktasche, nimmt genussvoll ein paar tiefe Züge, bevor sie leicht bitter lächelnd meint, dass ihr Letzteres aber ganz sicher am wenigsten Sorgen bereite, denn Unkraut, wie sie eines sei, das vergehe nicht so schnell. Ich stelle recht viele Zwischenfragen, weil mich geschäftliche und gesellschaftspolitische Dinge schon immer interessiert haben und ich generell Gespräche mit Menschen ausserhalb meiner Bubble sehr gerne mag, weil sie meinen Horizont unweigerlich erweitern. Sie dreht aber bald den Spiess um und möchte im Gegenzug von mir wissen, was ich denn da in meinem kleinen schwarzen Büchlein festhalte? Ob ich noch nach alter Sitte so etwas wie ein Tagebuch führe oder ob ich vielleicht sogar ein Schriftsteller sei, ich sehe nämlich fast ein wenig wie einer aus? Obwohl ich nicht entschlüsseln kann, ob sie die letzten Worte positiv konnotiert, fühle ich mich geschmeichelt, erzähle ihr, dass ein Buch tatsächlich ein Fernziel darstelle, ich bis es aber soweit sei, meine Zeilen lediglich als Pseudoblogger auf einer handglismeten Webseite verewige. Weil sie danach fragt, gebe ich ihr meine Onlinekoordinaten und wir verabschieden uns mit einem Handschlag sowie dem typisch schweizerischen: „Het mi gfröit, e guete Tag u aues Guete für dini Zuekunft, gäu.“
Kurzfristig entscheide ich mich, für den Rückweg nach Gerolfingen im Dorf Mörigen für eine Station das Aare-Seeland-mobil-Regiozüglein zu benutzen. Beim recht steilen Anstieg zur Station (diesmal allerdings stimmt mein Pacing) passiere ich in einer engen Kurve eine echt classy Villa mit einer ultrastylischen Holzfassade. Das Haus ist zwar von aussen her gesehen „nur“ ebenerdig (vielleicht geht’s im Innern ja einige Stockwerke runter, who knows), die voluminöse Mehrfachgarage, die man in unmittelbarer Nähe des Eingangs hinbetoniert hat, lässt einen aber vermuten, dass der Grundriss insgesamt über pentagoneske Ausmasse verfügen muss. So weit so gut, wäre da nur nicht dieser schuderhaft stümperhaft hingestellte Sichtschutzzaun. Da das üppig angepflanzte Kirschlorbeergedöns noch nicht so weit gediehen ist und diese Funktion wie geplant hätte übernehmen können, hatte man auf der zur Strasse hin zugeneigten Seite kurzerhand grobe Latten in den Boden rammen und in einer Höhe von einem halben bis fast zwei Metern ein grünes Polyestergewebe hintackern lassen. Ein visuelles Verbrechen unvergleichbaren Ausmasses dem die Hausbesitzer:innen da erlegen waren, aber Herrschaften hatten sich wohl zu fest über die vielen Gaffer:innen geärgert, die ihnen die Laune bei ihren ausufernden Champagnerpartys regelmässig verdorben hatten. Der liebe Wohlstand, er hat eben seinen Preis.
Wieder in Gerolfingen angekommen, nehme ich zurück zum Wasser runter einen Schleichweg, der durch wunderbare Obstplantagen eines Bauern sowie durch ein Stückchen Wald führt. Auf der restlichen kurzen Strecke, einer geteerten Zufahrtstrasse, der ich noch bis zum Campingplatzeingang folgen muss, überholt mich eine Gruppe von etwas älteren Radfahrer:innen mit Elektrobikes. Diese wiederum werden nun von ein paar Bengeln, die ich vom Sehen her vom Zeltplatz her kenne, auf ihren viel zu kleinen Fahrrädern ein- und überholt und mit lustig tönenden Signalhupen angehornt. Da von den Senior:innen absolut niemand erschrickt und sie ganz offensichtlich den flausigen Humor der Jungmannschaft verstehen, bimmeln sie johlend mit ihren klassischen Lüttis, „Pling-Pling-Pling“ zurück und eine Frau setzt zum Abschluss sogar noch ein liebevolles: „Dir sit mr ä schöni Schnuderbande“ obendrauf.
Auf der Zeltplatzwiese lehne ich mich wiederum im Schneidersitz an einen Baumstamm, übe mich eine Stunde lang in kohärentem Atmen und beobachte aus der Ferne das Geschehen vor dem Abwaschtrog. Dort üben sich nämlich zwei Pärchen in einer klassischen Rollenverteilung: Währenddem die Frauen zügig den Geschirrberg vom vergangenen Abendessen beziehungsweise vom Frühstück abwaschen und abtrocknen, stehen ihre beiden Männchen, zufrieden an einer jegliche Eleganz vermissenden Feldschlösschendose nuckelnd (der Frühschoppen – er lebt), tatenlos daneben. Unzufrieden scheint dies aber zu diesem Zeitpunkt gerade niemanden zu machen, im Gegenteil, die Viererclique wirkt sehr organisch, es wird lebhaft gequaselt und auch wenn ich persönlich finde, dass so eine Szene in der heutigen Zeit gerne anders aussehen dürfte, scheint hier das Motto von Friedrich dem Grossen, dass „jede/r nach seiner Façon selig werden soll“ besser hinzupassen, als irgendeine standardisiert-moralisch-korrekte Vorstellung von Aufgabenverteilung unter den Geschlechtern.
Nach einem bitter benötigten zweistündigen Schläfchen suche ich etwas verkopft den Wiedereintritt in den Ferienflow, merke dann aber beim genaueren Scannen des Zeltplatzes, dass es da gar nichts zu finden gibt, sondern dass sich hier alle gerne auch mal nur der gepflegten Langeweile, dem Nichtstun hingeben. So setze ich mich mit meinem Krimi ans Seeufer, esse zum Lesen lustlos etwas gesalzene Gurke sowie einen Becher Beeriquark, den ich mir am Vormittag beim Denner-Satelliten neben der Bahnstation Gerolfingen besorgt hatte, glotze hin und wieder über das leicht sich kräuselnde Wasser und gut ist. Vale la pena. Als ich schon fast in einen Ohm-artigen Zustand versinke, fetzt allerdings und das ist nicht erfunden (!), ein gelbes Schnellboot mit der Aufschrift „BAYWATCH – Los Angeles County Lifeguard“ an mir vorbei, worauf in meinem Kopf in einer ungnädigen Endlosschlaufe automatisch der Song „I’ve been lookin‘ for freedom“ von David Hasselhoff anspringt.
Immer noch masslos über diesen kurligen Zwischenfall erheitert, kehre ich zum „Särgli“ zurück, wo ich bemerke, dass die Fischerjungs sich verkrümelt und sich an deren Stelle stattdessen zwei Teenagermädchen mit ihren Velos und leichtem Gepäck niedergelassen haben. Sie öffnen den Reisverschluss einer kreisrunden Verpackungshülle, ziehen daraus gefaltetes Zeltmaterial hervor und werfen dieses laut „Eis-zwöi-drü“ rufend in die Luft. „FLAPP“ und schon steht ihr 2-Personen-Zelt aufgebaut vor ihnen. Sie kichern, wie das nur Mädchen in diesem Alter können und machen sich, nachdem sie das gute Teil in den vier Ecken mit Heringen fixiert haben sofort ans Einräumen. Mich streift ein paar Sekunden lang der Neid, da das ganze Outdoormaterial in meiner eigenen Jugendzeit nicht einmal annähernd die Qualität von heute hatte. Nicht nur war alles wesentlich schwerer und klobiger gewesen, wir lagen auf härteren Unterlagen (Stichwort: Silberfolienmätteli) und froren uns in schlechten Schlafsäcken in den Nächten regelmässig die Ärsche ab, sondern wir machten auch die unliebsame Bekanntschaft mit Feuchtigkeit, wenn es regnete. Well, es sei den Jungen von heute gegönnt, denn sie haben sich ja mit dem Thema „Wie-finde-ich-einen-gangbaren-Weg-mit-Social Media?“ auch nicht grad das einfachste Aufgabengebiet ever zur Bewältigung Ihrer Adoleszenz gewählt.
Ich komme nun mit meiner temporären Nachbarin Melinda ins Gespräch und wir tauschen uns über Erziehungsformen, zukunftsträchtige Schulmodelle (sie arbeitet im Sozialbereich), Ernährung, Trennungen von Partner:innen und wie wir als Gesellschaft durch die Corona-Pandemie gekommen (oder eben teilweise auch nicht gekommen) sind aus. Da mich das Geplauder zwar nährt aber auch schlaucht, nehme ich den zweiten Risi-Bisi-Topf wiederum am Seeufer zu mir. Dort treffe ich, munter planschend, auf die beiden Wurfzeltteenies, die sich nebst dem gegenseitigen Abfeiern ihrer Tauchskills („Ja, du hesch vou so ne Mermaid-Swag mit dine Füess, Mann, go for it“) erstaunlich gut über die kleinen Fische im Bielersee (Elritze, Gründlig, Groppe, Stichling, Bart- und Dorngrundel – es lebe der Biounterricht) auskennen und ansonsten jede kleinste Handlung, die sie vollziehen, kommentieren müssen. Wer kennts nicht?
Pappsatt mit Eindrücken, gehe ich bereits um 21.30 Uhr in die Heia. Wegen dem weiter sinkenden Akkustand meiner Körperbatterie, kriege ich zum ersten Mal so etwas wie Stalldrang – ich sehne mich nach einer reizärmeren Umgebung. Obwohl mich das Gefühl, ich sei schon eine volle Woche in den Ferien, sehr zufrieden macht, lasse ich einen schwermütigen Seufzer fahren, weil ich finde, tami, mein Leben, es dürfte schon etwas weniger kompliziert sein.
Am nächsten Tag bin ich bereits um 06.00 Uhr wach, weiss vom Augenaufschlag an, dass es heute schlaftechnisch nichts mehr zu holen gibt, frühstücke, weil ich niemanden wecken und mit der Sonne im Gesicht irgendwo stabil sitzen will, auf einem Peizlistuhl, protze im Nachgang ganz leise mein Einpersonenzelt ab, schreibe, weil es für kein offizielles und am Vortag eigentlich vereinbartes „Adiö“ mehr reicht, einen kurzen Abschiedszettel an Melina, den ich ihr unter ihren Kaffeekocher klemme und mache mich wiederum Richtung Mörigenbucht auf. Mit dem Gepäck am Rücken lasse ich mir sehr viel Zeit, mache bewusste Stopps und gucke mir auf dem Seerain Richtung Sutz-Lattrigen gehend gerne sorgfältig die unterschiedlichen „Strandhäuser“ an, von welchen die meisten wohl zu Beginn des letzten Jahrhunderts gebaut und in der Familie weitervererbt worden waren. Einige davon scheinen nach wie vor lediglich die Funktion als Ferienhaus einzunehmen, während andere den Eindruck von festen Wohnsitzen hinterlassen. Beim Seebad sehe ich zwei ausländische Tourenvelofahrer, welche wohl hier auf der Wiese wild campiert hatten und wie sie sich mit müden Gesichtern auf einem Gaskocher Kaffee zubereiten. Ihre beiden mit Saggoschen behängten und mit Länderfähnchen verzierten Stahlrösser lehnen an einen dicken Baum gestellt mitten auf der Wiese. Weiter vorne entdecke ich eine Hinweistafel, auf welcher steht: „Keine Velos auf der Rasenfläche parkieren!“ – haha, denkste!
Nach fast drei Stunden Schneckenspaziergang und einem letzten steilen Anstieg, plumpse ich in einen auf der Veranda stehenden Gartenstuhl des Seepintlis, pfeife für einmal auf den sonstigen, von meinen Ärztinnen und Ärzten wärmstens empfohlenen Glutenverzicht und bestelle mir nebst einem köstlichen honduranischen Espresso einen in der hauseigenen Backstube frisch hergestellten Nussgipfel. Währenddem ich vergnügt-geduldig vor mich hinmampfe, tauschen sich am Nachbartisch zwei Sanitärinstallateure in ihrer Znünipause über ihre in Eigenregie aufs heimische Dach installierten Solarpanels aus. Es wird ohne den geringsten Unterton von Angeberei gefachsimpelt, was das Zeug hält und wie immer freue ich mich, wenn ich Menschen dabei zuhören darf, wie sie in ihrem Leben für ein Thema brennen.
Zur Bahnstation Sutz-Lattrigen ist es im Anschluss an mein zweites Frühstück gottseidank nicht mehr weit. Ich eiere neben einem Schulhauskomplex durch, bei dem ich denke: „Jesses Maria, gleichzeitig mit diesem grandiosen Ausblick aufs Wasser runter unterrichten dürfen, das wäre was!“ Ich versorge die Idee sorgfältig in meiner Gesundheitsimaginationsschublade im Kopf, die ich regelmässig durchstöbere und löse anschliessend am Billettautomaten das Retourticket nach Höchi. Neben mir steht ein tiefenausgeruht wirkender, schnauzbärtiger Gravelbike-Hipster in grellneonfarbener Velomontur mit Keith-Haring-artiger Musterung sowie der obligaten Dächlikappe unter dem Helm. Da ich weiss, wie glücklich sich dieser nach seinem Morgenritt durch die Savanne fühlen muss, droppe ich ein saloppes: „Het gfägt, oder?“, worauf er nur strahlend nickt und mir ein langgezogenes: „Wie ne Moore!“ zur Antwort schenkt.
Spannenderweise nehme ich von der ganzen Rückfahrt genau nichts an Erinnerungswertem mit. Ich habe offenbar mein Herz einfach am Bielersee liegen gelassen, denn diese Zeit in Gerolfingen, die war nicht gaga, sondern giga!